Jüdische Liberale Gemeinde Köln
Gescher LaMassoret e.V.
 

Unser Buchtipp:
Jüdisches Leben in Deutschland
Die liberale jüdische Gemeinde Köln setzt sich in vollem Umfang für eine progressive Sichtweise des Judentums ein. Auch wenn die Tradition vielleicht den wichtigsten Einfluß auf unsere Auffassungen von Judentum darstellt, erkennen wir doch an, wie auch die alten Rabbiner es getan haben, daß religiöse Regeln sich mit der Zeit verändern müssen. Hierbei lassen wir uns leiten durch die Diskussion progressiver Rabbiner in aller Welt.

Dies äußert sich in vieler unserer Grundsätze – Frauen und Männer sind gleichberechtigte Mitglieder unserer religiösen Gemeinschaft. Beide Geschlechter sind ohne jede Einschränkung an unseren Gottesdiensten beteiligt. Während wir die überragende Bedeutung des Hebräischen als Gebets- und Textsprache anerkennen, so schließen wir uns doch gleichzeitig der Ansicht der alten Rabbiner an, daß wir auch in einer Sprache beten können, die wir besser verstehen. Deshalb werden einige unserer Gebete und Lesetexte deutsch gesprochen. Gleichzeitig hoffen und erwarten wir, daß unsere Mitglieder sich ausreichende Hebräischkenntnisse aneignen, um die Gebete und Lesetexte im Original verstehen zu können.

Wir lehnen es strikt ab, einen bestimmten Grad an ritueller Observanz als richtig oder falsch zu definieren. Wir glauben, daß dies eine Frage des persönlichen Gewissens ist. Aber wir halten es für wichtig, die Tradition zu kennen, so das der Einzelne seine Entscheidung auf dieser Grundlage treffen kann.

Wir schließen uns der Auffassung der großen Mehrheit der Mitglieder der Progressiven Bewegung in Europa an, wonach die Tradition fordert, daß der formal-jüdische Status durch den Status der Mutter bestimmt wird. Alle anderen müssen ein Konversionsverfahren vor einem Beth Din (einem jüdischen rabbinischen Gericht) durchlaufen, bevor sie als Mitglieder der Gemeinde mit vollen religiösen Rechten angenommen werden können.

Wir erleben jedoch auch, daß es Fälle gibt, in denen zwar die Statusanforderungen nicht erfüllt sind, aber die Geschichte, das religiöse Engagement und die Familientradition einen Menschen dennoch zu einer ganz klar jüdischen Identität geführt haben. Das Konversionsverfahren das diese Menschen durchlaufen müssen, erachten wir als formale Bestätigung ihrer Identität und als die Korrektur der Differenz zwischen Realität und Regeln.

Hauptsächlich aus praktischen Gründen hat die Gemeinde eine zwiespältige Einstellung gegenüber der großen Zahl von Menschen, die aufgrund ihres Konversionswunsches zu uns kommen. Im Prinzip stünde die Gemeinde ihnen gerne offen, in Anerkennung der Tatsache, daß es keinen Grund mehr gibt, denen, die den Wunsch haben, sich dem Volk Israel anzuschließen, weiterhin so negativ gegenüber zu stehen, wie das die jüdische Gemeinschaft traditionellerweise tut. Andererseits ist unsere Gemeinde immer noch sehr klein, und viele ihrer Mitglieder sind selbst noch dabei, ihren Weg in die Tradition und den Glauben ihrer Vorfahren zu finden. Wir befürchten, daß ein zu großer Zustrom von Menschen, die ihrerseits auf der Suche sind, uns überwältigen könnte. Deshalb hat die Gemeinde in der Praxis beschlossen sich nicht zu schnell zu öffnen und bemißt die Bereitschaft, potentielle Konversionskandidaten aufzunehmen, in Abhängigkeit vom eigenen Zuwachs an Stärke und Sicherheit. Wir, die Gemeinde Gescher LaMassoret, wissen natürlich nicht, was die Zukunft bringen wird. Aber die Schritte, die wir bisher mit Hilfe Gottes gehen konnten sind Zeichen der Hoffnung, daß es für uns eine Zukunft in Köln geben wird. Mit der Weihe des Friedhofes haben wir die Verantwortung übernommen, für diejenigen, die dort beerdigt wurden, Beständigkeit zu gewährleisten.

Wie unsere Zukunft aussehen wird, mag unsicher sein, daß wir eine Zukunft haben steht nicht länger in Frage.